F071 | Was Deine Gene über Dich verraten – und was Du selbst verändern kannst

Béatrice Drach und Dr. Stefan Wöhrer lächeln im Portrait – Podcast-Folge über Genanalysen, Epigenetik und epigenetisches Alter

Im Gespräch mit Dr. Stefan Wöhrer

Wie viel von unserer Gesundheit ist genetisch vorgegeben – und wie viel können wir durch unseren Lebensstil tatsächlich beeinflussen?

Diese Frage hat mich in den vergangenen Monaten beruflich, aber auch persönlich beschäftigt. Mein Mann Johannes und ich haben selbst verschiedene Genanalysen und eine epigenetische Analyse bei Permedio durchführen lassen. Und ich gebe zu: Bevor wir die Ergebnisse bekommen haben, war da neben der Neugier auch ein etwas mulmiges Gefühl. Möchte ich wirklich wissen, ob ich ein erhöhtes genetisches Risiko für Herzinfarkt, Alzheimer oder bestimmte Krebserkrankungen habe?

Heute bin ich froh, dass wir die Analysen gemacht haben. Einige Ergebnisse haben mich beruhigt, andere haben uns gezeigt, wo es sinnvoll sein kann, bei Prävention und Vorsorge genauer hinzuschauen. Genau darüber spreche ich in dieser Podcastfolge mit Dr. Stefan Wöhrer.

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Gene sind nicht automatisch unser Schicksal

Zu Beginn unseres Gesprächs klären wir eine wichtige Unterscheidung. Bei genetischen Analysen denken viele zunächst an einzelne krankheitsverursachende Mutationen und klassische Erbkrankheiten. Stefan erklärt aber, dass es daneben sogenannte polygenetische Risikofaktoren gibt. Hier geht es nicht um eine einzelne Mutation, sondern um das Zusammenspiel sehr vieler genetischer Varianten, sogenannter Single-Nucleotide Polymorphisms – SNPs. Aus diesen Varianten kann für bestimmte Erkrankungen ein statistisches Risikoprofil berechnet werden.

Ganz wichtig:

Ein erhöhtes genetisches Risiko ist keine Diagnose. Es bedeutet nicht, dass eine Erkrankung zwangsläufig auftreten wird. Wir sprechen darüber, wie solche polygenetischen Risikoscores eingeordnet werden und warum beispielsweise eine Perzentile nicht mit dem absoluten Erkrankungsrisiko verwechselt werden darf.

Stefan erklärt außerdem, für welche Erkrankungen solche Risikoprofile untersucht werden können – darunter unter anderem Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Alzheimer sowie Brust- und Darmkrebs.

Und genau an diesem Punkt wird das Thema für mich besonders interessant: Was mache ich mit diesem Wissen? Denn wenn ich meine individuelle Veranlagung kenne, kann dieses Wissen auch Anlass sein, Vorsorge und Lebensstil bewusster anzugehen.

Bei meinem Mann Johannes zeigte sich beispielsweise ein erhöhtes polygenetisches Risiko für Darmkrebs, obwohl ihm keine entsprechenden Erkrankungen in seiner Familie bekannt waren. Für ihn war das ein konkreter Anlass, seine Vorsorge ernst zu nehmen und eine Koloskopie durchführen zu lassen. Zum Glück war alles in Ordnung.

Epigenetik: Wie beeinflusst unser Lebensstil unsere Gene?

Ein zweiter großer Teil unseres Gesprächs dreht sich um die Epigenetik. Unsere DNA-Sequenz bleibt grundsätzlich gleich. Aber wie aktiv bestimmte Gene sind, kann unter anderem über epigenetische Mechanismen beeinflusst werden. Stefan erklärt im Gespräch die Rolle der DNA-Methylierung und warum diese durch Lebensstil und Umweltfaktoren beeinflusst werden kann.

Und damit kommen wir zu einem Begriff, der gerade im Zusammenhang mit Longevity sehr häufig auftaucht: das biologische beziehungsweise epigenetische Alter. Stefan arbeitet hier unter anderem mit der sogenannten GrimAge-Uhr. Im Gespräch erklärt er, wie anhand bestimmter DNA-Methylierungsmuster das epigenetische Alter eingeschätzt wird und warum diese Daten anders zu betrachten sind als beispielsweise das „Fitnessalter“, das uns unsere Sportuhr anzeigt. Können wir unser biologisches Alter tatsächlich beeinflussen? Genau darüber sprechen Stefan und ich ausführlich.

Er berichtet unter anderem von Veränderungen nach einem Rauchstopp sowie im Zusammenhang mit Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung und Bewegung. Besonders interessant ist deshalb nicht nur eine einmalige Messung, sondern auch die Möglichkeit einer Verlaufskontrolle nach einer Veränderung des Lebensstils. Erste Veränderungen können laut Stefan nach etwa drei Monaten sichtbar werden, deutlicher seien sie häufig nach neun bis zwölf Monaten.

Benötigen wir alle eine Schublade voller Supplements?

Auch darüber sprechen wir. 😉 Denn gerade rund um Longevity, Anti-Aging und Biohacking werden unzählige Nahrungsergänzungsmittel und Methoden empfohlen. Resveratrol, Quercetin und Co. werden teilweise sehr großzügig eingesetzt – obwohl nicht automatisch jeder Mensch davon profitiert. Im Gespräch erklärt Stefan, warum eine Intervention, die bei einer Person sinnvoll ist, bei einer anderen möglicherweise keinen Vorteil bringt.

Damit landen wir wieder bei den Dingen, über die ich hier im Podcast schon so oft spreche: regelmäßige Bewegung, eine gute Ernährung, ausreichend Schlaf und Regeneration, nicht rauchen und Alkohol nicht im Übermaß. Diese Basics bleiben die wesentlichen Säulen eines gesunden Lebens – bevor wir uns mit den vermeintlich kleinen Stellschrauben des Biohackings beschäftigen.

Für wen sind solche Analysen überhaupt sinnvoll?

Seine Antwort finde ich wichtig: Nicht einfach möglichst viele Tests machen und anschließend vor einer riesigen Menge an Daten sitzen. Viel sinnvoller ist die Frage: Was möchte ich eigentlich wissen? Wo liegt mein persönliches Thema? Geht es um ein familiär gehäuftes Erkrankungsrisiko? Um Medikamentenverträglichkeit? Um Stoffwechsel und Gewicht? Oder möchte ich wissen, wie mein derzeitiger Lebensstil mit meinem epigenetischen Alter zusammenhängt?

Danach kann gezielt entschieden werden, welche Analyse überhaupt sinnvoll sein könnte. Wir sprechen auch darüber, wann man vielleicht lieber keine Analyse machen sollte. Denn wer sehr große Angst vor Erkrankungen hat und weiß, dass bereits die Information über ein statistisch erhöhtes Risiko eine enorme psychische Belastung auslösen würde, sollte sich gut überlegen, ob er diese Information wirklich haben möchte.

Stefan verwendet am Ende unseres Gesprächs ein Bild, das mir sehr gut gefällt: Wir bekommen unterschiedliche genetische Karten ausgeteilt. Aber selbst mit weniger günstigen Karten können wir durch unseren Lebensstil noch einiges beeinflussen. Und umgekehrt bedeutet eine günstige genetische Ausgangslage nicht, dass wir uns zurücklehnen können.

Ich fand das Gespräch mit Stefan wirklich unglaublich spannend – und habe selbst wieder einiges dazugelernt. PS: Falls Du selbst eine Analyse bei Permedio machen möchtest: Mit meinem Code BEATRICE bekommst Du 50 € Rabatt auf alle Permedio Analysen.

Weiteführende Links:


Podcast-Episode: Älter werden mit Dankbarkeit statt mit Angst

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Über mich

Meine Name  ist Béatrice Drach – mein Herz brennt für die Bewegung und für die Frauengesundheit.

Als Expertin für Midlife Fitness – also das körperliche und mentale Training in der Lebensmitte – möchte ich Dir zeigen, wie Du selbst die Steuerfrau eines fitten, vitalen, gesunden und aktiven Lebens sein kannst.

Lass Dich inspirieren, stelle mir gerne Fragen und „be active“.

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