Mein Interview mit Conny Sporrer von Martin Rütter DOGS  Wien

Frühling ist Zeit des Outdoor-Sports und ich wollte von der Hundeexpertin Conny Sporrer von Martin Rütter DOGS Wien einmal wissen, wie wir uns als Läufer eigentlich verhalten sollten, wenn uns freilaufende Hunde begegnen.

 

Die Körpersprache

Als erstes sollten wir uns laut Conny die Körpersprache des Hundes anschauen, um einzuschätzen, ob der Hund sich überhaupt für uns interessiert. Nimmt der Hund mich überhaupt war und interessiert sich für mich? Wieviel Aufmerksamkeit schenkt er mir bereits aus der Ferne? In der Regel finden Hunde Dinge die sich schnell bewegen interessanter als beispielsweise langsame Spaziergänger.
Wenn ich nun merke, dass sich ein Hund doch sehr stark für mich interessiert oder einfach verunsichert wirkt, ist es immer empfehlenswert das eigene Tempo zu drosseln. Das führt meist dazu, dass der Hund den Menschen sofort weniger spannend findet.

 

Aber was ist denn nun, wenn ein Hund mir tatsächlich hinterherspringt?

Conny erklärt uns, dass es in so einem Fall unterschiedliche Motivationen für den Hund gibt. Nicht selten kursiert die Annahme, dass Hunde Jogger und Radfahrer „jagen“. Sollte der höchst unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ein Hund einen Menschen wirklich jagt und mit einem Beutetier verwechselt, müsste dieser schon sehr schwer verhaltensgestört sein.
Eher ist es der Fall, dass viele Hunde ein wenig gelangweilt und unausgelastet sind und sich über die spannende Abwechslung durch einen dynamischen Menschen freuen, dem sie dann auch gerne aus reinem Spaß an der Sache mal ein Stück hinterherlaufen. Und diesen Spaß können wir am schnellsten beenden, indem wir das Tempo rausnehmen oder einfach mal stehenbleiben.

 

Territoriales Verhalten

Als zweite mögliche Motivation zeigt uns Conny auf, dass einige Hunde sehr wachsam bzw. territorial veranlagt sind. Wenn dieser Hund nun z.B. schon eine Weile entspannt durch „seinen Park“ spaziert und plötzlich kommt da so ein frecher Mensch daher, der einfach quer durch sein Arial joggt… Dann möchte dieser Hund den Eindringling allerdings einfach nur „stoppen“. Auch hier heißt es also wieder: Tempo rausnehmen! Bleibt der Hund präsent, können wir ihn zusätzlich beschwichtigen, indem wir uns ein wenig klein machen und uns wegdrehen. So signalisieren wir ihm, dass wir keine Gefahr für ihn darstellen und es wird gar nicht erst zum Konflikt kommen.

Hunde sind von Natur aus konfliktvermeidend veranlagt und wollen keine ernsthafte Auseinandersetzung. Einige Menschen meinen jedoch sich vor dem Hund groß aufbauen zu müssen… In die Augen schauen… Laut ansprechen… All das verunsichert den Hund nur noch mehr und führt am ehesten zu einer ernsteren, unschönen Situation die eigentlich nicht im Interesse des Hundes ist.

 

Riechen Hunde ob wir Angst haben?

Es gibt Studien die zeigen, dass es bei Angstempfinden einen erhöhten Anteil von Buttersäure im Schweiß gibt. Viel wichtiger ist jedoch, dass sich Menschen die Angst haben unbewusst oft etwas „merkwürdig“ verhalten. Übertriebene Bewegungen, körperliche „Starre“… Der Hund merkt dann oft, dass irgendwas nicht stimmt und geht deshalb mit diesem Menschen anders um.

Fazit für den Läufer bei Hundebegegnungen:

    • Tempo rausnehmen
    • Beschwichtigen
    • Auf keinen Fall künstlich aufspielen

Wie verhalte ich mich als Hundebesitzer?

Aus Respekt dem (ängstlichen) Läufer gegenüber sollte man als Hundebesitzer in diesen Situationen definitiv den Hund heranrufen, anleinen oder zumindest ein paar Schritte bei Fuß laufen lassen. Eine super Übung für den Hund lässt sich z.B. auch draus machen, indem man ihn in solchen Situationen kurz absitzen lässt. Selbst innerhalb von Hundezonen sollte man sicherstellen, dass das Abrufen des Hundes perfekt funktioniert wenn der Jogger doch einmal zu interessant ist.

Wie verhalte ich mich beim Vorbeilaufen an Grundstücken mit Wachhund?

Die klassischen „Haus und Hof Hunde“ haben meist als einzige Aufgabe, genau dies zu bewachen und Eindringlinge vom Hof zu vertreiben. Man kann sich also recht sicher sein, dass dieser Hund kein Interesse daran hat, den Läufer durch das ganze Dorf zu jagen. Wenn wir also einfach weiterlaufen, hat der Hund bereits sein Erfolgserlebnis indem er uns mit seinem Bellen von seinem Grundstück „verjagt“ hat. Wenn man doch ein wenig Angst hat, dass der Hund weitergehen und das Grundstück auch verlassen könnte, greifen auch hier wieder die besagten Tipps: Tempo drosseln, beschwichtigen, einfach vorbeigehen.

Gilt all das auch für „Kampfhunde?“

Die sogenannten „Kampfhunde“ wurden vor Jahrzehnten einmal für Kämpfe mit Bullen, Ratten usw. genutzt. Niemals jedoch für Kämpfe mit Menschen! Diese Rassen wurden sogar bewusst sehr verträglich mit Menschen gezüchtet und sind somit nicht gefährlicher oder ungefährlicher für uns als jeder andere Hund.


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